Brief an die Gemeindeglieder der Christus-Kirchengemeinde Hollen

Hollen, den 17.03.2020

Ihr Lieben in der Christus-Kirchengemeinde!
Derzeit ist eine Fastenzeit der ganz anderen Art: Durch die Corona-Pandemie steht das öffentliche und damit auch das kirchliche Leben still. Unsere Christus-Kirche und unser Gemeindehaus müssen weiterhin geschlossen bleiben. Damit haben wir nicht mehr die herkömmlichen Möglichkeiten der Gemeinschaft. Aber die Maßnahmen sind bekanntlich notwendig, um das Virus einzudämmen, damit unser Gesundheitssystem nicht zusammenbricht.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, Gemeinschaft im Glauben ohne die gewohnten Gemeinschaftsformen zu haben? Ganz bestimmt gehört das Gebet dazu, in dem wir füreinander einstehen können. Das gilt schon seit Urzeiten, aber angesichts der Corona-Krise noch mehr. Beten wir also für erkrankte Menschen, für wirtschaftlich betroffene Betriebe und Geschäfte, für die Eindämmung und Überwindung des Virus, für unsere politischen Verantwortungsträger, für das medizinische Personal in den Krankenhäusern und Seniorenwohnheimen, für helfende Hände gegenüber Menschen, die jetzt Unterstützung brauchen, und nicht zuletzt dafür, dass Christen als Hoffnungsträger und Ermutiger auffallen in dieser für Viele furchtbaren Situation.

Gemeinschaft, nicht zuletzt im Glauben, ermöglichen auch die modernen sozialen Medien. Die jüngere Generation nutzt sie in diesen Wochen noch mehr als ohnehin. Aber einfach mal oder regelmäßig zum Telefonhörer zu greifen, jemanden anzurufen, wie es ihm oder ihr geht – das ist sicher eine wichtige und machbare Aufgabe dieser Stunde. Da auch ich als Pastor vorsichtig mit Besuchen sein muss, wird das Telefonieren für mich ein Hauptinstrument der Seelsorge werden. Trotzdem wird das Besuchen mit den gebotenen Abständen und Hygienevorschriften möglich sein (außer in den geschlossenen Krankenhäusern und Seniorenwohnheimen). Falls ich jemanden übersehen sollte, der oder die das Gespräch braucht, meldet Euch bitte bei mir (04489-1251).

Eine wichtige Form der Glaubensgemeinschaft, die in Hollen die Mitte unserer Kirchengemeinde bildet, ist der Gottesdienst. Bis zum 19.04.2020 werden sie nach jetzigem Stand ausfallen, wie überhaupt alle gottesdienstlichen Versammlungen. Nicht einmal Trauerandachten sind möglich. Natürlich werden Beerdigungen stattfinden, aber nur im engsten Kreis auf dem Friedhof. Ich selbst werde es so halten, dass ich vor der Beisetzung im kleinen Kreis der Trauerfamilie zuhause oder im Pfarrhaus eine kleine Andacht halte.

Statt des Sonntagsgottesdienstes in der Kirche vor Ort gibt es andere Möglichkeiten. Hier nur ein paar Beispiele … Gottesdienste im Radio oder Fernsehen; Manche nutzen ohnehin schon lange Sender wie BibelTV oder den ERF. Auf der Internetseite unserer Landeskirche (www.landeskirche-hannovers.de) wird bei den regelmäßig aktualisierten Empfehlungen angesichts des Coronavirus auf gottesdienstliche Alternativen zu Hause hingewiesen, zudem extra unter www.kirchezuhause.de. Überhaupt gibt es im Internet eine Fülle von ausgestrahlten Predigten, etwa unter www.fegbonn.de mit Andreas Fehler, den wir bei unseren zurückliegenden Hollener Bibeltagen erleben durften. In unserer Gemeinde gehen wir auch einen besonderen Weg. Ich werde aus den zurückliegenden Jahren für jeden Sonntag (auch für Karfreitag) eine passende CD-Aufnahme unserer Gottesdienste aussuchen. Ein paar Programmpunkte wie etwa Abkündigungen oder Fürbittengebete werden zeitbedingt gestrichen. Ansonsten wird diese Aufnahme neu auf CDs gebrannt und wie sonst an die CD-Hörer verteilt. Außerdem wird diese Aufnahme unter www.kirche-hollen.de veröffentlicht – für einen Zeitraum von drei Tagen, immer am jeweiligen Feiertag und zwei weitere Tage. Wäre das eine Idee, zu einer festen Feiertagszeit um 10.00 Uhr sich die Aufnahme anzuhören, um zeitgleich im Glauben Gemeinschaft zu haben?

Ja, es ist eine Fastenzeit mit großen Entbehrungen. Sie kann für unsere Kirchengemeinde aber zum Segen werden trotz einer Glaubensverbindung ohne physische Gemeinschaft. Und wenn diese Fastenzeit irgendwann vorbei ist, dann werden wir uns wohl umso mehr aneinander freuen, weil wir uns in großer Gemeinschaft sehen, mit einem Handschlag begrüßen, Gottesdienste feiern, Kirchenkaffee genießen und uns im Gemeindehaus zu den Gruppen und Kreisen treffen – nicht mehr wie eh und je, sondern viel dankbarer, weil wir wissen, dass nichts selbstverständlich ist.
Uns möge (weiterhin) ein mir wichtiges Bibelwort aus 2. Timotheus 1, 7 begleiten: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Bleibt behütet! Johann Goudschaal, Pastor

P. S. Leitet diesen Brief gerne an Interessierte weiter.

 

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