Unser Schwan ist wieder da

 

Wir freuen uns, dass im Zuge von Mauer- und Dachsanierungsarbeiten die Gelegenheit bestand, die sogenannte Kirchturmbekrönung mit zu sanieren, damit aus denkmalpflegerischer Sicht das Außenbild der Kirche erhalten bleibt und wieder stimmig wird.

Am Freitag, den 26.07.2019 war es soweit. Das war schon eine spannende Angelegenheit. Und ganz schön windig war es, als nach einer kleinen feierlichen Andacht unser lutherischer Schwan wieder an seinen Platz hoch oben auf unsere Kirchturmspitze gebracht wurde.

Der laut unserer Chronik im Jahr 1850 von einer „Jungfrau Stoffels“ gestiftete Schwan hat schon den alten Kirchturm auf der anderen Straßenseite geziert, wurde nach erneuter Vergoldung im Jahr 1896 – als die jetzige Kirche fertig gestellt wurde - auf diesen Kirchturm übernommen und strahlt ab dem Jahr 2019, immerhin nach 169 Jahren wieder im neuen Glanz.

Vor ein paar Wochen abgebaut wurde die Bekrönung, also der Schwan, darunter angedeutete Blätter und eine Kugel in dem Kunstschmiedebetrieb Zeyher in Hildesheim restauriert. Die Metallteile wurden alle durch Edelstahl ersetzt, der Schwan und die Kugel überarbeitet und mit Gold überzogen.

 

Viele Kirchen haben auf der Kirchturmspitze ein Kreuz oder einen Hahn. Eine Bekrönung mit einem goldenen Schwan finden wir in dieser Dichte eigentlich nur im nordwestdeutschen Raum auf den lutherischen Kirchen.

Er ist dabei aber nicht einfach nur ein hübscher Dachabschluss oder Wetterfahne und Windrichtungsanzeiger. Der Schwan hat für unsere lutherischen Kirchen und Gemeinden eine Bedeutung.

Der als Vorreformator geltende Jan Hus wurde 1415 während des Konzils von Konstanz als Ketzer hingerichtet. Er soll, bevor er verbrannt wurde, gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird in 100 Jahren ein Schwan auferstehen“ (tschechisch „Hus“ bedeutet „Gans“). Später wurde dieser Ausspruch auf Martin Luther gedeutet und wurde zum Symbol für unsere lutherische Kirche.
Pastor Aden hat in seiner Andacht die Symbolik des Schwans als Wächter über unsere Kirche und über unsere Gemeinde interpretiert. Er wünschte der Hollener Christus-Kirchengemeinde, dass die Erkenntnisse Luthers über den evangelischen Glauben, die vor  über 500 Jahren Luther zur Reformation geführt haben, in unserer Gemeinde einen wichtigen Stellenwert haben und behalten.

 

 

Hier kann man den Unterschied zwischen Alt und Neu sehr schön erkennen.

Vor der eigentlichen Bekrönung, dem Aufsetzen auf den sogenannten Königsspieß, einem senkrechten Kantholz, welcher oben aus der Kirchturmspitze ragt, konnten alle Teilnehmer den goldglänzenden Schwan in der Kirche bestaunen. In einer feierlichen Andacht erläuterte Pastor i.R. Hermann Aden die Bedeutung und Hintergründe des lutherischen Schwans.

 

 

In einer Kupfer-Kartusche wurden verschiedene Zeitdokumente wie eine Tageszeitung, Gemeindebrief, den Wortlaut der Andacht, einige Fotos und auch eine Namensliste bei der Andacht anwesenden Personen eingelötet.
Die Kartusche wurde dann in die Kugel eingelassen und wird vielleicht irgendwann nachfolgenden Generationen Zeugnis von diesem Tag geben.

Vor dem Aufsetzen des Schwans wurde die Achse erstmal eingefettet...

Gut verpackt und ohne Kratzer wurde der Schwan wieder auf seinen Platz gebracht.

Bei Tee und Kaffee ließ man nach der Andacht den Nachmittag gemütlich ausklingen.

Vielen, vielen Dank den verschiedenen Stiftungen und deren Vertretern, die dieses Projekt gemeinsam so großzügig, schnell und unbürokratisch unterstützt haben.

vlnr: Dirk Zeyher (Firma Zeyher, Hildesheim), Carsten Rinne, (Sparkassen-Kulturstiftung), Anton Park und Alfred Collmann (Kirchengemeinde Hollen), Martin Kaling (Vorstand des RVB-Reginalfonds), Frau Brüggemann (Amt für Bau- und Kunstpflege der hannoverschen Landeskirche), Mario Baumert (Vorstand der Raiffeisen-Volksbank Uplengen), Carl-Heinz Kloppenburg (Regionaldirektor der Raiffeisen-Volksbank Uplengen), Sascha Perrey (Filialleiter der Raiffeisen-Volksbank Hollen)

Die Hollener Kirchengemeinde ist der Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann und dem Landtagsabgeordneten Ulf Thiele dankbar, dass sie sich maßgeblich für das Einwerben von Geldern aus verschiedenen Stiftungen einsetzten. Leider konnten beide bei der feierlichen Andacht nicht dabei sein, machten sich dann aber einen Tag später auf dem Weg nach ganz oben, um sich, begleitet von Trompetenklängen, ein Bild aus nächster Nähe zu machen.

vlnr, Markus Collman, Walter Fahrenholz, Alfred Collmann, Ulli de Buhr, Ulf Thiele. Gitta Connemann, Anton Park